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Chemie-Arbeitgeber fordern Mentalitätswandel - Länger arbeiten, flexibler arbeiten

14. Februar 2012

"Realismus" - das ist aus Sicht der Arbeitgeber die Richtschnur für die Chemie-Tarifrunde 2012. "Wir haben eine gemeinsame Verantwortung für die Zukunft der Branche. Deshalb gehen wir davon aus, dass wir 2012 einen Abschluss erzielen, der den wirtschaftlichen Realitäten entspricht", sagte BAVC-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Goos. "Zu diesen Realitäten gehören auch die konjunkturelle Abschwächung, die Unsicherheit durch die Schuldenkrise und die hohe Volatilität in den Märkten."

Arbeitgeber setzen Demografie an die Spitze der Tarif-Agenda

Für die Arbeitgeber steht darüber hinaus die Antwort der Branche auf die demografische Herausforderung an der Spitze der Tarif-Agenda. "Es geht darum, den notwendigen Men-talitätswandel jetzt zu forcieren, um Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze langfristig zu sichern", betonte BAVC-Verhandlungsführer Hans-Carsten Hansen. "Wir müssen länger arbeiten und wir müssen flexibler arbeiten. Die Tarifparteien sind gemeinsam in der Pflicht, die Branche zukunftsfest zu machen. Deshalb müssen wir uns noch intensiver mit dem Megatrend Demografie auseinandersetzen als bisher."

Allein in den letzten 10 Jahren ist der Anteil der über 50-jährigen Beschäftigten in der Chemie von 22 Prozent auf fast 30 Prozent gestiegen. "Da immer weniger junge Fachkräfte nachrücken, müssen die vorhandenen Mitarbeiter länger arbeiten. Es geht künftig nicht mehr darum, möglichst frühzeitig auszuscheiden, sondern möglichst lange leistungsfähig im Betrieb zu bleiben. Frühverrentung ist ein Modell von gestern, das für den Chemie-Standort Deutschland heute nicht mehr passt", so der BAVC-Verhandlungsführer.

Arbeitszeit: Mehr Flexibilität für Beschäftigte und Unternehmen

"Der entscheidende Hebel ist die Arbeitszeit", konkretisierte Hansen. Mehr Flexibilität für die Beschäftigten in unterschiedlichen Lebensphasen müsse ermöglicht werden durch mehr Flexibilität für die Unternehmen, etwa durch die Verlängerung der tariflichen Arbeitszeit. Hansen: "Muss das erforderliche Arbeitszeitvolumen auf weniger verfügbare Köpfe verteilt werden, wird die Arbeitszeit länger. Deshalb brauchen wir mehr Differenzierung und Flexibilisierung bei der Arbeitszeit."

Altersfreizeiten und Verdienstsicherung auf dem Prüfstand

Die Arbeitgeber wollen zudem altersbezogene Tarifregelungen auf den Prüfstand stellen, zum Beispiel Altersfreizeiten ab 55 und die Verdienstsicherung ab 50. "Gerade bei den Altersfreizeiten besteht tarifpolitischer Handlungsbedarf", erklärte BAVC-Verhandlungsführer Hansen. Laut Chemie-Tarifvertrag verkürzt sich die Arbeitszeit für Beschäftigte im Schichtdienst ab 55 um 3,5 Stunden pro Woche, für alle anderen ab 57 um 2,5 Stunden.

Hansen: "Wir müssen weg von Pauschalregelungen, die jeden über 50 als ‚alt‘ abstempeln. Unsere Geschäftsgrundlage hat sich fundamental geändert: Menschen über 50 sind heute wesentlich fitter als früher. Zudem sind die Altersfreizeiten in einer Zeit entstanden, als es mehr Mitarbeiter als Arbeit gab. Schon bald gibt es mehr Arbeit als Mitarbeiter. Wir brauchen unsere guten Leute im Werk, nicht zu Hause."

Die Tarifverhandlungen für die 550.000 Beschäftigten in den 1.900 Betrieben der chemischen Industrie beginnen Mitte April 2012.

(Quelle: BAVC)


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