Branchendaten

Die Chemieverbände Rheinland-Pfalz vertreten die Interessen der umsatzstärksten Industriebranche in Rheinland-Pfalz. Neben der chemischen Industrie gehören die pharmazeutische Industrie, die Kunststoffwarenverarbeiter und Gummiwarenhersteller sowie weitere chemienahe Unternehmen dazu.

Wirtschaftsdaten 2019

 UmsatzProduktionAufträgeBeschäftigte

Chemie
 

27.877,2

(-5,7%)

 

-4,1%

 

-3,3 %

46.888

(+1,8%)

Pharma

 

3.429,1

(-61,2%)

 

-67,2%

 

-46,6%

10.579

(+1,6%)

Kunststoffverarbeiter
und
Gummiwarenhersteller

5.006,2

(-2,1%)

 

1,0%

 

.

23.058

(+1,1%)

 

Quelle: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, unbereinigt, inkl. Jahreskorrektur, Betriebe ab 50 Beschäftigte
Prozentwerte sind Veränderungen gegenüber Vorjahreszeitraum

2019: Geschäftsrückgang und Sparmaßnahmen

Die Branche verzeichnete im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019 spürbare Rückgänge bei Umsatz, Produktion und Aufträgen. So gingen die Umsätze der Chemie-Industrie gegenüber dem Vorjahr um 5,7 Prozent auf 27,9 Milliarden Euro zurück. Die Produktion gab um 4,1 Prozent nach und in den Büchern standen 3,3 Prozent weniger Aufträge. Damit lag sie bei den wichtigen Kennzahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung deutlich unter dem Vorjahr. Einzig die Zahl der Beschäftigten ist im Jahresverlauf gestiegen.

Grund waren die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Zeitpunkt und den Bedingungen des Brexits sowie die Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA. Dies sorgte für ein schwaches globales Wachstum. Das globale Chemie-Geschäft blieb hinter den Erwartungen zurück und die Betriebe mussten deutliche Gewinnrückgänge hinnehmen. Aber auch das Inlandsgeschäft hatte spürbar nachgelassen. Dies hängt im Wesentlichen mit strukturellen Veränderungen in der deutschen Wirtschaft zusammen. Insbesondere die beschleunigten Veränderungen in der Automobilindustrie wirkten sich auf die Zuliefer-Betriebe aus. Viele Unternehmen reagierten darauf mit Sparprogrammen.

Die Hersteller von Kunststoff- und Gummiwaren mussten ebenfalls Rückgänge hinnehmen. Die Unternehmen dieser Branche erwirtschafteten rund 5 Milliarden Euro und damit 2,1 Prozent weniger als im Vorjahr.

In der Pharma-Industrie nivellierten sich die Wirtschaftszahlen weiterhin nach Ende eines Sondereffektes. Die Umsätze der Branche gingen um rund 5,4 Milliarden Euro (-61 Prozent) zurück. Auch Produktion und Aufträge gaben um 67,2 Prozent bzw. 46,6 Prozent nach.

Strukturdaten

Die chemische Industrie erwirtschaftet rund ein Drittel des Umsatzes im verarbeitenden Gewerbe. Damit ist die Branche mit Abstand der umsatzstärkste Wirtschaftszweig in Rheinland-Pfalz. Die Standorte der Betriebe konzentrieren sich entlang der Rheinschiene zwischen Lahnstein, Mainz / Ingelheim, Worms und Ludwigshafen. Weitere Zentren liegen in Bad Kreuznach und Pirmasens. 

Die Struktur der Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbandes gestaltet sich wie folgt:

Verbandsstruktur Arbeitgeberverband Chemie Rheinland-Pfalz e.V.

Ausbildung

1.376 Plätze für Ausbildung und Berufseinstieg – 65 Plätze weniger als im Vorjahr – haben die Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbandes Chemie Rheinland-Pfalz im Jahr 2019 angeboten. Davon entfielen 1.094 (+32) auf die duale Ausbildung, 117 (+4) auf das duale Studium und 165 (-101) auf Fördermaßnahmen. Erfreulich ist, dass mehr Jugendliche den Weg direkt in die Ausbildung gefunden haben, statt in Fördermaßnahmen für den Berufseinstieg aufgefangen zu werden.

Die Ausbildungsquote in den Mitgliedsunternehmen betrug knapp 6 Prozent, die Besetzungsquote 97 Prozent. Zudem wurden 71 Prozent der Azubis unbefristet übernommen.

Durch mittelständische Unternehmen geprägt

Von besonderer Bedeutung für die rheinland-pfälzische Chemie ist die Badische Anilin- & Sodafabrik in Ludwigshafen. Heute hat der Konzern BASF SE in Ludwigshafen nicht nur seinen größten Verbundstandort, sondern es ist auch der weltgrößte zusammenhängende Chemiestandort überhaupt.

Insgesamt wird die Struktur der Branche von vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen bestimmt. Rund neun von zehn chemischen Betrieben beschäftigen weniger als fünfhundert Mitarbeiter, mehr als die Hälfte sogar weniger als hundert.

Die von kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägte Struktur hat sich bisher sehr positiv auf eine stabile Wirtschaftsentwicklung in Rheinland-Pfalz ausgewirkt und den Standort für die Zukunft krisenfest gemacht.

Ursprung der chemischen Industrie in Rheinland-Pfalz

Die Geschichte der chemischen Industrie in Rheinland-Pfalz, die heute die umsatzstärkste Branche ist, begann etwa um 1850. Ihre Wirtschaftszentren, die entlang des Rheins und bis nach Pirmasens zu finden sind, entstanden im Zuge der industriellen Revolution als Folge des rasanten Wissenszuwachses durch Forschung und Entwicklung.

Die ersten Produkte der chemischen Industrie entwickelten sich aus Nebenprodukten. So wurde der Steinkohlenteer aus der Steinkohleumwandlung oder der Weinstein aus dem Weinanbau genutzt, um neue Produkte herzustellen.

Weitere Impulse erhielt der Wirtschaftszweig durch die Suche nach synthetischen  Farbstoffen und Arzneimitteln. Auch aus der Lederindustrie, die in Worms beheimatet war und der Schuhindustrie, die ursprünglich ihren Standort in Pirmasens hatte, entwickelten sich Unternehmen der chemischen und chemienahen Industrie.

Eng angelehnt an die chemische Industrie ist die Kunststoffverarbeitende Industrie, die vor über vierzig Jahren in Rheinland-Pfalz mit der Herstellung von Folien, Fensterprofilen und Formteilen begann und heute auch als Automobilzulieferer eine feste Größe in der Industrielandschaft ist.