Forschungsförderung

Bildung, Wissenschaft und Forschung sind die wichtigsten Säulen einer Wissensgesellschaft. Das Wirtschaftswachstum korreliert eng mit den Ausgaben für Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie mit innovationsfreundlichen Rahmenbedingungen.

Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland gehört immer noch zur Weltspitze bei Innovationen. Nach den USA, Japan und China belegt Deutschland Platz 4 bei den Ausgaben der Branche für Forschung und Entwicklung. Doch die Gewichte verlagern sich rasant, vor allem zugunsten asiatischer Staaten. Sie haben den volkswirtschaftlichen Wert von Innovationen erkannt und fördern diese intensiv.

Länder, die am meisten in ihre Innovationsfähigkeit investieren, stehen wirtschaftlich am besten da. Innovationen erschließen neue Märkte und stärken die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Sie sorgen für Wachstum und tragen dazu bei, qualifizierte Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen.

In Deutschland wird immer noch zu wenig in Forschung und Entwicklung (FuE) investiert.

In Deutschland beträgt der FuE-Anteil am BIP 2,86 % (2014). Eine stärkere staatliche steuerliche Förderung würde FuE-Investitionen in den Unternehmen erleichtern, höhere Aufwendungen für zusätzliche oder risikoreichere Projekte erlauben und volkswirtschaftlich zu erheblichen Wohlfahrtsgewinnen führen. Die meisten OECD-Staaten wenden dieses Instrument an. In den großen Industrienationen sind Steuergutschriften in Höhe von 8 bis 20 Prozent üblich.

Gerade innovative Produkte und Verfahren aus der Chemie sind Bestandteil der Lösung großer gesellschaftlicher Herausforderungen, zum Beispiel für die Erhaltung und Sicherstellung von Gesundheit, für die Ernährung, Mobilität und für den Klimaschutz. In Deutschland kommt naturwissenschaftliche Bildung an den Schulen zu kurz; die Finanzierung der Hochschulen ist - besonders in der Lehre - unzureichend. Das schwächt Deutschland im weltweiten Innovationswettlauf. In der Bildung muss frühzeitig ein tragfähiges Fundament der Innovationsfähigkeit und -bereitschaft der Menschen gelegt werden. Politik und Gesellschaft müssen Innovationen aufgeschlossen gegenüber stehen.

Die Einführung einer steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung (FuE) in Deutschland ist überfällig.

Das deutsche Standortdefizit hat zuletzt auch die Expertenkommission „Forschung und Innovation“ in ihrem Gutachten 2011 für die Bundesregierung kritisiert. Jeder Euro, den der Staat hierfür ausgibt, zahlt sich für Deutschland aus. Die Unternehmen stecken das Geld 1:1 in die Forschung. Das sichert Wachstum und Beschäftigung. Auch ordnungspolitisch ist eine steuerliche FuE-Förderung sinnvoll, weil sie den Firmen die Wahl der Forschungsthemen überlässt, leicht und unbürokratisch zu handhaben ist und einzelne Branchen und Unternehmen weder bevorzugt noch benachteiligt.

 

Die Positionen des VCI

 

Naturwissenschaftliche und ökonomische Bildung stärken, Wettbewerb zwischen Hochschulen fördern

Um den Grundstein für naturwissenschaftliche Bildung frühzeitig zu legen, sollten Natur- und Alltagsphänomene bereits im Kindergarten behandelt, naturwissenschaftlich-technischer Sachkundeunterricht in der Grundschule eingeführt sowie ein Drittel des Unterrichts in weiterführenden Schulen durchgängig mit MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) belegt werden. Ebenfalls sollte die Vermittlung von ökonomischen Grundkenntnissen im Schulunterricht sichergestellt werden. Zur Verbesserung und Sicherung der Qualität der naturwissenschaftlichen Schulbildung sollten für alle Schulabschlüsse bundesweit verbindliche Qualitätsstandards eingeführt werden. Um die Qualität des Abiturs als Nachweis der Studierfähigkeit zu sichern, sollte das Abitur zentral auf Landesebene durchgeführt werden und zwei naturwissenschaftliche Fächer verpflichtend einschließen. Die Hochschulen sind finanziell besser auszustatten. Die Aufhebung des Kooperationsverbotes zwischen Bund und Ländern im Hochschulbereich ermöglicht dies. Hier wäre es zweckmäßig, die Finanzmittel vorrangig für Verbesserungen in der Lehre einzusetzen.

 

Hightech-Strategie konsequent fortführen

Um das hohe Niveau der deutschen Forschung zu halten, sind ausreichend finanzierte und technologisch breit angelegte FuE-Förderprogramme notwendig: im Energiebereich, für innovative Arzneimittel sowie für Schlüsseltechnologienwie neue Werkstoffe, Katalyse, Nanotechnologie, Biotechnologie, Nutzung nachwachsender Rohstoffe, etc.

 

Innovationshemmnisse in Deutschland abbauen

Das deutsche Steuerrecht sollte Innovationen eher fördern als behindern. Deshalb sollte der Gesetzgeber eine steuerliche FuE-Förderung zusätzlich zur Projektförderung einführen sowie steuerliche Verlustvorträge zeitlich und in der Höhe unbeschränkt ermöglichen. Forschende Unternehmen sollten 10 Prozent aller eigenfinanzierten FuE-Aufwendungen von der Steuerschuld abziehen dürfen (Tax Credit: Personal- und Sachaufwendungen

sowie Kosten für Forschungsaufträge in der EU). Schreibt das Unternehmen Verluste, sollte es eine entsprechende Steuergutschrift ausgezahlt bekommen (besonders relevant für Start-ups). Förderung muss für forschende Unternehmen aller Größenklassen gelten. Nur dann ist eine substanzielle Steigerung der Forschungsaktivitäten der Wirtschaft erreichbar. Innovationsrelevant sind KMU und große Unternehmen, die oft als Systemführer bei Innovationen fungieren und den größten Teil der FuE-Aufwendungen tragen.

Für biotechnologische Erfindungen ist ein adäquater Patentschutz sicherzustellen. Da die Pharmaindustrie für die Suche und Findung innovativer Arzneimittel hohe finanzielle Risiken eingeht, müssen diese, wenn sie denn gefunden und zur Marktreife geführt wurden, auch ausreichend vergütet werden.