Klimaschutz

Chemieprodukte sparen insgesamt über ihren Lebenszyklus mehr als doppelt so viel Emissionen ein, wie bei ihrer Produktion entstehen: Die chemische Industrie trägt mit ihren Produkten und Technologien wesentlich dazu bei, dass der Energiesektor, Kundenindustrien und Verbraucher Energie und Treibhausgase einsparen.

Auch bei sich selbst achtet die Branche auf höchste Energieeffizienz und auf die Vermeidung von Treibhausgasen. So hat die deutsche chemisch-pharmazeutische Industrie ihre Treibhausgasemissionen seit 1990 bis 2012 um knapp 50 Prozent reduziert, obwohl die Produktion im gleichen Zeitraum um fast 60 Prozent anstieg. Dies führte zu einer Verringerung des absoluten Energieverbrauchs von 16 Prozent.

Die internationale Staatengemeinschaft hat es bisher nicht geschafft, sich auf ein faires, weltweites Klimaschutzabkommen zu einigen. Wohl wurde auf der Klimaschutzkonferenz Ende 2011 in Durban ein Zeitplan für ein globales Klimaschutzabkommen verabschiedet: in 2015 soll auf der UN-Klimakonferenz in Paris ein Vertragswerk verabschiedet werden, bis 2020 soll es in Kraft treten. Allerdings bleiben bis dahin die Lasten des Klimaschutzes international ungleich verteilt. Gerade Branchen wie die Chemie haben dadurch deutliche Wettbewerbsnachteile gegenüber Unternehmen außerhalb der EU. Dem weltweiten Klima ist damit nicht geholfen.

Derzeit gibt es keine vergleichbaren Minderungszusagen von Staaten außerhalb der EU und somit keine Grundlage, die EU-Ziele von 20 auf 30 Prozent zu erhöhen. Eine einseitige Zielerhöhung birgt die Gefahr, dass Investitionen und Arbeitsplätze an Länder mit niedrigerem Klimaschutzniveau verloren gehen. Maßnahmen, um Carbon Leakage zu verhindern, sind im Rahmen des EU-Emissionshandels auch weiterhin notwendig.

Die Bundesregierung hat für Deutschland ein Treibhausgasminderungsziel von minus 40 Prozent bis 2020 vorgesehen. Laut Umweltministerium wird dieses Ziel nach derzeitigen Berechnungen aber um ca. 7 Prozent-Punkte verfehlt. Diese Lücke von ca. 85 Mio. t CO2e pro Jahr soll durch zusätzliche Minderungen in allen Sektoren geschlossen werden, auch in denen, die schon dem EU-Emissionshandel unterliegen.

Da dieser aber nur ein europäisches Minderungsziel vorgibt, liefern nationale Maßnahmen hier keinen zusätzlichen Klimaschutzbeitrag. Zwar würde die deutsche Klimabilanz besser ausfallen, die hierzulande vermiedenen Emissionen würden aber an anderer Stelle in der EU ausgestoßen. Zusätzliche nationale Treibhausgasminderungen müssten zum Beispiel im Gebäude-Bereich und im Verkehr erreicht werden, die nicht dem Emissionshandel unterliegen.

Die EU-Kommission hat im Januar 2014 ihr Energie-und Klimapaket 2030 veröffentlicht. Darin schlägt sie zwei Ziele für 2030 vor: Eine Treibhausgasminderung von 40 Prozent im Vergleich zu 1990 und den Ausbau der erneuerbaren Energien in der EU auf 27 Prozent des Endenergieverbrauchs. Das Treibhausgas-Ziel soll ausschließlich durch innereuropäische Minderungen erreicht werden, obwohl der niedrigere Preis internationaler Zertifikate im Vergleich zu europäischen zeigt, dass es außerhalb der EU wirtschaftlichere Potenziale für die Treibhausgasminderung gibt.

VCI-Forderungen

  1. Innovationskraft der deutschen Chemie für den Klimaschutz nutzen

    Die europäische und deutsche Klimaschutzpolitik darf die Innovationskraft der chemischen Industrie nicht schwächen. Vielmehr sollte die Forschung im Bereich Energiesparen und CO2-armer Technologien gefördert werden.


  2. Maßnahmen zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit sichern Wertschöpfung

    Die im Emissionshandel eingeführten Maßnahmen gegen Carbon-Leakage müssen solange Bestand haben, bis ein Klimaabkommen weltweit vergleichbare Voraussetzungen schafft. Diese wären erreicht, wenn gleiche Industriesektoren weltweit die gleiche Kostenlast pro emittierte Tonne CO2 tragen und vergleichbaren Regeln für Reduktionspflichten unterliegen.


  3. Klimaziele müssen so wirtschaftlich wie möglich erreicht werden

    Das 40 Prozent-Minderungsziel für Treibhausgase bis 2030 muss Minderungsleistungen des europäischen Emissionshandelssektors auch außerhalb der EU anerkennen. Über das EU-Ziel hinausgehende Minderungen, wie das von der Bundesregierung angestrebte nationale Ziel von minus 40 Prozent bis 2020, sind von Sektoren außerhalb des Emissionshandels zu erbringen.


  4. Kostenlose Zuteilung von Zertifikaten nach 2020 muss sich am Bedarf orientieren

    Der VCI schlägt vor, in der 4. Handelsperiode des Emissionshandels ab 2020 die direkte und indirekte Zuteilung kostenloser Zertifikate am Durchschnitt der Anlagen zu orientieren und auf Grundlage aktueller Produktionsmengen zu berechnen. Auf nachträgliche Markteingriffe wie die Marktstabilitätsreserve zur Steuerung der Zertifikatemenge kann verzichtet werden.


  5. Chemie muss weiterhin auf der Carbon-Leakage-Liste stehen

    Bei der Überarbeitung der bestehenden Carbon-Leakage-Liste muss die Chemieindustrie zur Sicherung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit auf der Liste verbleiben. Solange es kein internationales Klimaschutzabkommen mit vergleichbaren Belastungen weltweit gibt, sind diese Maßnahmen nötig, um eine Verlagerung von Emissionen, den Abfluss von Investitionen sowie einen Verlust von Arbeitsplätzen zu verhindern.