REACH-Umsetzung

Ende November 2010 und Ende Mai 2013 wurden die ersten beiden Zwischenziele der Registrierung von Stoffen nach der europäischen Chemikalienverordnung REACH erreicht. Während in der ersten Phase vorregistrierte Großstoffe und Stoffe mit speziellen Eigenschaften (CMR Kat. 1 oder 2 und sehr giftig bzw. langfristig schädlich für Wasserorganismen) im Fokus standen, wurden in der zweiten Tranche die Stoffe im mittleren Tonnagebereich registriert.

Damit haben die Chemieunternehmen viel Aufbauarbeit geleistet und wichtige Meilensteine erreicht. Aber REACH ist noch nicht zu Ende: Für die Registrierung der Stoffe ab einer bis zu 100 Tonnen bleibt den Unternehmen nur noch bis zum 31.05.2018 Zeit.

Erst nach Ablauf der letzten Registrierungsphase kann man beurteilen, ob REACH die Erwartungen erfüllt hat, nämlich dass es nicht nur zu einer Verbesserung des Wissens über die gefährlichen Eigenschaften der in der EU vermarkteten Stoffe verholfen hat, sondern auch zu einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Chemischen Industrie in Europa geführt hat und zu einer Verbesserung des Gesundheits- und Arbeitsschutzes der Verbraucher und Arbeitnehmer in der Chemischen Industrie.

REACH ist ein Dauerlauf und die betroffenen Firmen werden weiter mit Hochdruck und hohem Aufwand an Ressourcen daran arbeiten, die letzte Registrierungsphase fristgerecht und in guter Qualität bei der europäischen Chemikalienagentur ECHA abzuliefern. In der letzten Registrierungsphase geht es vermehrt um Stoffe, für die weniger Vorarbeiten und Daten existieren und die Suche nach Mitregistranten wird schwieriger sein als bei den „größeren“ Stoffen.

Oder man ist alleiniger Registrant: Dann lasten alle Aufwendungen für den Stoff bei einem Hersteller/ Importeur und die resultierenden Kosten pro Tonne könnten eine Entscheidung abverlangen, ob der Stoff das überhaupt noch „tragen“ kann. Was passiert dann mit den Anwendungen bei den Kunden oder mit den eigenen Verwendungen in der Firma? Alles Fragen, die viele Ressourcen beanspruchen und strategische Entscheidungen der Geschäftsleitung verlangen.

Auch für die betrieblichen REACH-Koordinatoren gewinnen weitere Prozesse an Bedeutung: neben der Dossier-Evaluierung durch die ECHA werden zunehmend auch Rückfragen aus den Mitgliedsstaaten bei Stoff-Evaluierungen an die Hersteller/ Importeure herangetragen werden, Dossiers sind zu aktualisieren, über Testvorschläge ist zu entscheiden, die ECHA wird weitere Stoffe für die Kandidatenliste zur Autorisierung vorschlagen, auf die man eventuell mit engem Zeitrahmen reagieren muss.

Und wenn man von einer eigenen Stoffanwendung mit einer Autorisierung betroffen ist, dann wird es gleich ziemlich teuer und kompliziert. Es empfi ehlt sich also, die kommenden Jahre bis Ende Mai 2018 nicht zu unterschätzen und die fi rmeninterne Expertise aufrecht zu halten. Eine Pause einlegen geht jedenfalls nicht.

Die Positionen des VCI

Keine Änderung des REACH-Verordnungstextes – aus Erfahrungen lernen - KMU bei Registrierungen besser unterstützen

Um die Effizienz des Registrierungsverfahrens zu erhöhen, muss aus den bisherigen Erfahrungen gelernt werden. Der VCI begrüßt, dass die EU-Kommission mit ihrem Gesamtbericht zu REACH vom 5. Februar 2013 die hierfür benötigte Planungssicherheit geschaffen hat. Die Industrie tut alles, um ihre REACH-Pflichten fristgerecht zu erfüllen. Das darf nicht durch neue inhaltliche oder formale Anforderungen erschwert werden.

Kleine und mittelgroße Firmen (KMU) benötigen direkte Ansprechpartner bei der ECHA

Vor Stoffaufnahme in die Kandidatenliste Alternativen mit Industriebeteiligung prüfen

Den Behörden liegt eine Roadmap für die Identifizierung von besonders besorgniserregenden Stoffen (SVHC) vor. Bis 2020 sollen alle relevanten SVHC auf die Kandidatenliste gebracht werden. Dabei müssen strenge wissenschaftliche Kriterien eingehalten werden. Eine Analyse der am besten geeigneten neuen und ggf. schon bestehenden Risikomanagement-Optionen (RMO) sollte für jeden Stoff für die Behörden verpflichtend sein. Dabei sollte die betroffene Industrie konsultiert und einbezogen werden. Die Entscheidung, welcher Stoff ins Zulassungsverfahren kommt, darf nicht zum Spielball von Interessengruppen werden. Außerdem sollten, wie in REACH vorgesehen, Ausnahmen für bereits spezifisch regulierte Verwendungen gewährt werden. Zulassungsanträge sollten vereinfacht werden und die Fristen für Überprüfungen durch die Behörden sollten Investitionszyklen angemessen berücksichtigen.