Diese Mittel sind Teil des bundesweiten Fördersystems des Fonds der Chemischen Industrie (FCI), über das die chemische Industrie deutschlandweit ein Vielfaches in die MINT-Bildung investiert. Hinzu kamen über 100.000 Euro, die in das Ausbildungsmarketing investiert wurden. Dazu zählen Elementare Vielfalt sowie Die ChemieAzubis mit dem Wettbewerb ChemisTree und den Berufsvideos POV:Chemie. Denn ohne geeigneten Nachwuchs gelingt keine Transformation. Und ohne guten Unterricht gibt es keinen Nachwuchs.
Warum Bildung gerade jetzt zählt
Die chemisch-pharmazeutische Industrie spezialisiert sich zunehmend: Die Region um Mainz entwickelt sich zunehmend zu einem Biotechnologiestandort, neue Technologien verändern die Anforderungen an Fachkräfte. Gleichzeitig verschärft der demografische Wandel den Wettbewerb um junge Talente: In den chemierelevanten Berufen scheidet in den nächsten zehn Jahren etwa jede vierte Beschäftigte altersbedingt aus. Schon 2024 konnten bundesweit über 71.000 offene Stellen in der Branche rechnerisch nicht mit passend qualifizierten Fachkräften besetzt werden. Rund 10 Prozent der Ausbildungsplätze in der Chemie blieben unbesetzt.
Die Chemieverbände verstehen sich deshalb als Wegbereiter: Sie bauen Vorurteile gegenüber der Branche ab, wecken Interesse an MINT-Fächern, fördern einen lebendigen und sicheren Unterricht und bieten Orientierung bei der Berufswahl. Davon profitieren nicht nur die Unternehmen: Naturwissenschaftlich kompetente Fachkräfte werden auch in Behörden und der Politik gebraucht – um über Genehmigungen zu entscheiden und passende gesetzliche Rahmenbedingungen zu gestalten.
Schulförderung: Rund 25 Schulen in Rheinland-Pfalz unterstützt
Im Jahr 2025 wurden rund 25 Schulen in Rheinland-Pfalz finanziell gefördert – von der Regenbogen-Grundschule in Westerburg über das Nordpfalzgymnasium in Kirchheimbolanden bis zum Max-Planck-Gymnasium in Trier. Die Förderungen flossen in Geräte zum experimentellen Arbeiten, Chemikalien und Experimentiersets, Fachbücher, Software und Molekülmodelle. Auch Hardware wie Flex-Kameras oder VR-Brillen wurde mit einem 50-prozentigen Zuschuss kofinanziert. Das Programm steht allen Schulformen offen.
13 Fortbildungen, über 330 Lehrkräfte, ein Ziel
Lehrkräfte sind die zentralen Multiplikatoren, wenn es darum geht, Begeisterung für Naturwissenschaften zu wecken. In 13 Fortbildungsveranstaltungen für Lehrkräfte aus Grundschulen und weiterführenden Schulen erreichten die Verbände über 330 Teilnehmende.
Gleichzeitig zeigten die Rückmeldungen, wo die Praxis an Grenzen stößt: fehlende Sicherheitsausstattung an Schulen, nicht verfügbare Chemikalien und Apparaturen sowie die hohe Arbeitslast durch Gefährdungsbeurteilungen. Genau hier setzt die Verbandsarbeit an – durch Fortbildung und durch die Unterrichtsförderung des FCI, über die Schulen unkompliziert Mittel für Experimentiermaterialien und Ausstattung beantragen können.
Zunehmend engagierten sich die Chemieverbände auch in der Ausbildung angehender Lehrerinnen und Lehrer. 32 Lehramtsanwärterinnen und -anwärter durchliefen die Sicherheitsschulung „Auf Nummer sicher! Experimente im MINT-Unterricht" in Maikammer. Das Seminar wird seit 2017 gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) durchgeführt. Zukünftig soll es fest in die Ausbildung für Realschule plus und Gymnasien eingebunden werden. Die Gespräche mit dem Bildungsministerium in Mainz finden derzeit statt.
Die Investitionen zeigen Wirkung
Das Engagement der Chemieverbände und ihrer Partner zahlt sich aus. Aus den Rückmeldungen der Lehrkräfte wissen wir: Es wird mehr experimentiert. Lehrerinnen und Lehrer, die an den Fortbildungen teilgenommen haben, setzen die Inhalte im Unterricht um und geben ihr Wissen an Kollegien weiter.
Positive Entwicklungen zeigt auch der MINT-Report Rheinland-Pfalz: So wächst der Anteil der MINT-Beschäftigten im Land. Besonders erfreulich ist, dass der Anteil weiblicher MINT-Studierender spürbar gestiegen ist. Zudem gehört Rheinland-Pfalz bundesweit zu den Ländern mit besonders vielen „MINT-freundlichen Schulen" und „Digitalen Schulen" – regelmäßig werden über 60 Schulen pro Jahr mit diesen Signets ausgezeichnet. Das zeigt: Die MINT-Infrastruktur im Land ist gewachsen und stabil. Das Engagement der Chemieverbände ist ein wichtiger Baustein in diesem Gesamtbild.
Bildungspolitische Positionen der Chemieverbände
Die Chemieverbände fördern nicht nur, sie haben auch klare Vorstellungen zur Bildungspolitik im Land:
Durchgängiger Chemieunterricht: Naturwissenschaftlich-technisch orientierter Sachunterricht muss an allen Grundschulen verbindlich eingeführt werden. Ab der Sekundarstufe I sollten durchgängig mindestens zwei Wochenstunden Chemie in allen Klassenstufen angeboten werden.
Mehr Experimente: Naturwissenschaften leben vom Experiment. Dafür braucht es Fachräume, finanzielle Mittel für deren Ausstattung, qualifizierte Lehrkräfte und Zeit für Vor- und Nachbereitung. Fachfremder Unterricht in den Naturwissenschaften muss vermieden werden.
Lehrkräfte fördern und entlasten: MINT-Lehrkräfte brauchen bessere Rahmenbedingungen – weniger Deputatstunden, moderne Arbeitsbedingungen, Freistellung für Fortbildungen und eine Entlastung bei unterrichtsfernen Aufgaben.
Berufsschulen stärken: Die Berufsschulen müssen als dualer Partner mit den Ausbildungsbetrieben Schritt halten. Es braucht eine Investitionsoffensive für Gebäude, digitale Lehrmittel und eine zuverlässige Unterrichtsversorgung.
Berufsorientierung verbessern: Gerade an Gymnasien fehlt häufig das Wissen über duale Ausbildungsberufe und deren Karriereperspektiven. Lehrkräfte sollten stärker für die berufliche Ausbildung sensibilisiert werden.
