Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland bleibt auch zum Jahresende 2025 in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Während die Pharmabranche mit Produktions- und Umsatzzuwächsen für Stabilität sorgt, setzt sich die Talfahrt in der Chemie fort. Der aktuelle Quartalsbericht 4/2025 des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) zeigt: Produktion, Preise und Umsätze der Chemieindustrie sind erneut rückläufig. Die Kapazitätsauslastung liegt weiterhin unter der Rentabilitätsschwelle. Zusätzliche Risiken ergeben sich aus dem eskalierenden Irankrieg und den damit verbundenen Lieferkettenstörungen.
Pharma stabilisiert, Chemie im Abwärtstrend
Die Produktion der chemisch-pharmazeutischen Industrie stieg im vierten Quartal 2025 insgesamt um 0,9 Prozent – getrieben durch ein kräftiges Plus von 6,6 Prozent in der Pharmaindustrie. Die Chemieproduktion wurde hingegen erneut deutlich gedrosselt und lag 2,9 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Für das Gesamtjahr 2025 ergibt sich damit ein Rückgang der Chemieproduktion um 3,3 Prozent, während die Pharmaindustrie ein Plus von 4,5 Prozent verzeichnete.
Erzeugerpreise unter Druck, Kosten bleiben hoch
Die Erzeugerpreise der Branche stagnierten im letzten Quartal 2025. Im Vergleich zum Vorjahr lagen sie um 0,6 Prozent niedriger. Besonders die Preise für Chemikalien gerieten durch den steigenden Importdruck weiter unter Druck. Gleichzeitig blieb die Kostenbelastung für die Unternehmen hoch, was die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich beeinträchtigt.
Umsatzrückgang im In- und Ausland
Der Gesamtumsatz der Branche sank im vierten Quartal 2025 um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal und lag mit 51,8 Milliarden Euro 2,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Im Inland gingen die Erlöse um 2,3 Prozent zurück, während das Auslandsgeschäft leicht auf 32,9 Milliarden Euro anstieg, jedoch weiterhin 2,7 Prozent unter dem Vorjahreswert lag.
Für das Gesamtjahr 2025 verzeichnete die Branche einen Umsatz von 220 Milliarden Euro, was einem Minus von 1,4 Prozent entspricht. Während die Chemie einen Umsatzrückgang von 3,8 Prozent hinnehmen musste, konnte die Pharmaindustrie ein Plus von 5,5 Prozent erzielen.
Geopolitische Risiken und Lieferkettenstörungen
Die Eskalation des Irankriegs und die Blockade der Straße von Hormus führen zu zusätzlichen Risiken für die Branche. Neben möglichen Engpässen bei der Öl- und Gasversorgung besteht die Sorge zunehmender Versorgungsengpässe bei wichtigen Rohstoffen wie Ammoniak, Phosphat, Helium und Schwefel. Zudem gibt es erste Hinweise auf Störungen in den internationalen Lieferketten.
Beschäftigung: Stellenabbau in der Chemie
Die anhaltend schwierige Lage in der Chemie führte im Jahr 2025 zu einem Rückgang der Beschäftigtenzahlen um gut 1 Prozent. Die Pharmaindustrie konnte hingegen zusätzliche Arbeitsplätze schaffen, wenn auch mit abnehmender Zuwachsrate. Insgesamt sank die Beschäftigung in der chemisch-pharmazeutischen Industrie um 0,5 Prozent auf knapp 478.000 Beschäftigte.
VCI-Hauptgeschäftsführer: „Reformstau gefährdet industrielle Basis“
VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup kommentiert: „Die Jahresbilanz der Chemie ist unterirdisch – Produktion, Umsatz und Preise sind im roten Bereich. Pharma ist mit einem soliden Plus ein Lichtblick. Nach dem Regierungswechsel hatten wir uns deutlich mehr erhofft. Der Frust in den Unternehmen über die wirtschaftspolitische Kurskorrektur mit angezogener Handbremse ist groß. 2026 wird nicht leichter. Schon vor dem Irankrieg gab es keine Aufbruchstimmung. Die Weltordnung wird neu vermessen. Europa ringt um Orientierung. Deutschland reformiert im Schneckentempo. Ohne echten Reformwillen und mächtig Tempo in Berlin und Brüssel droht ein Strukturbruch für die industrielle Basis.“
Forderungen der Branche
Der VCI fordert schnelle und wirksame Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. Dazu gehören:
- Die zügige Umsetzung der angekündigten Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung, insbesondere bei Energie- und Stromkosten.
- Eine deutliche Reduzierung der Bürokratie und der regulatorischen Belastungen, um Investitionen zu erleichtern.
- Maßnahmen zur Sicherung der Rohstoffversorgung und zur Stabilisierung der Lieferketten, um die Abhängigkeit von geopolitischen Risiken zu verringern.
Ausblick: Keine Entwarnung in Sicht
Eine rasche Besserung der wirtschaftlichen Lage in der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie ist nicht in Sicht. Die Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung sind noch nicht an den Werkstoren angekommen und gleichen strukturelle Standortnachteile nicht aus. Zudem sorgen die geopolitischen Spannungen für zusätzliche Unsicherheiten. Eine verlässliche Prognose für das Jahr 2026 ist daher aktuell nicht möglich.