Die Eckpunkte des Tarifabschlusses im Überblick
Entgelt und Laufzeit
- März bis Dezember 2026: Die Tarifentgelte werden unverändert fortgeschrieben.
- Ab 1. Januar 2027: Entgelterhöhung um 2,1 Prozent.
- Ab 1. Januar 2028: Weitere Entgelterhöhung um 2,4 Prozent.
- Die Ausbildungsvergütungen steigen entsprechend.
- Die Gesamtlaufzeit beträgt 27 Monate bis Ende Mai 2028.
Unternehmen, die nicht wesentlich von der Krise betroffen sind, können eine oder beide Stufen der Tariferhöhung um jeweils drei Monate vorziehen. In diesem Fall beraten zunächst die Betriebsparteien über die Nutzung dieser Option; die abschließende Entscheidung trifft der Arbeitgeber.
Vom Demografie- zum Transformations-Tarifvertrag
Der bestehende Demografie-Tarifvertrag wird zu einem Transformations-Tarifvertrag weiterentwickelt – ein tarifpolitisches Novum in einem großen Flächentarifvertrag. Die Mittel des betrieblichen Demografiefonds können ab sofort auch für Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung eingesetzt werden, etwa für:
- Investitionen in Weiterbildung und Umqualifizierung
- Stärkung von Ausbildungskapazitäten
- Persönliches Coaching für Beschäftigte
- Projekte zur Standortsicherung
- Maßnahmen zur Arbeitszeitreduzierung
Für die Jahre 2026 und 2027 zahlen die Arbeitgeber einen zusätzlichen Beschäftigungssicherungsbeitrag von je 300 Euro pro Beschäftigtem (150 Euro für Auszubildende) in den betrieblichen Fonds ein. Der Arbeitgeber kann entscheiden, den Betrag auszuzahlen oder für andere Zwecke des Tarifvertrags zur Verfügung zu stellen. Die Beträge für 2026 und 2027 können zudem in einem Jahr gebündelt werden. Insgesamt stellt die Branche damit über die Laufzeit mehr als 350 Millionen Euro für den Erhalt und die Weiterentwicklung von Arbeitsplätzen bereit.
Gemeinsame Investitionen in Future Skills und Fachkräfte
Ergänzend zum Tarifvertrag bauen IGBCE und BAVC weitere Instrumente aus, die Unternehmen und Beschäftigte im Strukturwandel unterstützen:
- PYTHIA Chemie wird weiterentwickelt und bietet künftig neben der Demografie- auch eine Qualifikationsanalyse, um den zukünftigen Kompetenzbedarf in den Betrieben zu ermitteln.
- Der Future Skills Report Chemie wird aktualisiert und ausgeweitet. Er ermittelt KI-basiert, welche Kompetenzen in der Branche künftig gefragt sind.
- Die Förderung des Fachkräfteradars Chemie wird verlängert und das Angebot ausgebaut. Die Plattform ermöglicht es Fachkräften und Ausbildungsabsolventen, schnell von anderen Betrieben mit Personalbedarf kontaktiert zu werden.
- Bei vom Strukturwandel betroffenen Arbeitsplätzen empfehlen die Sozialpartner eine Weiterbildungsberatung, etwa über das Beratungsangebot der Bundesagentur für Arbeit.
Stimmen zum Abschluss
BAVC-Präsidentin Katja Scharpwinkel:
„Der Tarifabschluss zeigt, dass wir in einer schwierigen Situation gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die Einigung spiegelt die Krise der Branche wider. Zugleich gibt sie Planungssicherheit und Orientierung. Mit dem Weg zur Einigung wie auch mit dem Ergebnis zeigen wir, dass Sozialpartnerschaft einen Unterschied macht. Beiden Seiten ist bewusst, wie groß die Herausforderungen sind. Und beide Seiten wollen anpacken, damit wir Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen. Das ist ein wichtiger Beitrag der Sozialpartner, mit dem wir Perspektiven für Standort und Beschäftigung verbessern."
BAVC-Verhandlungsführer Matthias Bürk:
„Dieser Tarifabschluss bringt den Unternehmen die dringend benötigte Entlastung. Dauerhaft mehr zahlen die Arbeitgeber erst ab 2027 – und das zu krisengerechten Konditionen. Die lange Laufzeit gibt den Unternehmen ein hohes Maß an Planungssicherheit. Zugleich betreten wir tarifpolitisches Neuland mit unserem Transformations-Tarifvertrag. Auf betrieblicher Ebene bündeln wir Ressourcen für den Umbruch – zielgenau, praxisnah und sozialpartnerschaftlich."
IGBCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis:
„Für diesen Krisen-Abschluss sind wir bis an die Schmerzgrenze gegangen. In solch einer vertrackten Ausgangslage eine Einigung zu finden, die allen Beteiligten gerecht wird, war eine große Herausforderung."
IGBCE-Verhandlungsführer Oliver Heinrich:
„Jobangst und Kaufkraftverlust prägen derzeit das Arbeitsleben vieler Beschäftigter in Chemie und Pharma – dem wollten wir in dieser Tarifrunde gerecht werden. Am Ende haben wir in beiden Forderungspunkten Bewegung erreicht."
Einordnung
Der neue Tarifvertrag löst den Ende Februar ausgelaufenen Vorgänger ab. Zuvor hatte es in neun regionalen und zwei bundesweit zentralen Verhandlungsrunden kein Ergebnis gegeben. Der Abschluss setzt ein klares Signal: In der aktuellen Krise übernehmen Arbeitgeber und Gewerkschaft gemeinsam Verantwortung – für die Wettbewerbsfähigkeit der Branche, für die Sicherung von Arbeitsplätzen und für Investitionen in die Zukunft des Chemie- und Pharmastandorts Deutschland.
Quellen: Pressemitteilung BAVC, Medieninformation IGBCE