Chemie sieht Nachbesserungsbedarf

VCI zur Reform der allgemeinen Stromnetzentgelte

  • Verzicht für dynamische Netzentgelte für Verbraucher ist richtig
  • VCI fordert praxistaugliche Regelungen
  • Übergangsfristen bis Ende 2031 reichen nicht aus 

Die Bundesnetzagentur hat heute den Entwurf der „Festlegung zur Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom“ (AgNes) vorgelegt. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) begrüßt einzelne positive Ansätze. Für energieintensive Standorte sieht er aber weiterhin erhebliche Schwächen. Ohne Nachbesserungen drohen vielen Unternehmen spürbare Mehrbelastungen.

Matthias Belitz, Bereichsleiter Nachhaltigkeit, Energie und Klimaschutz im VCI, sagt: „Flexibilität ist kein Selbstläufer. Unternehmen brauchen ausreichend Zeit, um Prozesse umzustellen, zu erproben und Investitionen zu tätigen. Großen Nachbesserungsbedarf in der neuen Netzentgeltsystematik gibt es vor allem bei den Übergangsfristen, beim Umgang mit eigener Stromerzeugung an Industriestandorten und bei den Rahmenbedingungen für Flexibilität.“

Positiv bewertet der VCI, dass auf dynamische Netzentgelte für Verbraucher verzichtet werden soll. Auch die vorgesehenen Bestandsschutzregelungen, vor allem für Elektrolyseure, sind ein wichtiges Signal für Investitionssicherheit.

An zentralen Stellen greift der Entwurf aus Sicht des Chemieverbands jedoch zu kurz: Die Besonderheiten energieintensiver Industriestandorte werden nicht ausreichend berücksichtigt. Das betrifft beispielsweise Standorte mit eigenen Kraftwerken, ebenso wie Herausforderungen bei der Erbringung von Flexibilität an Industriestandorten mit einer Vielzahl von Anlagen und Unternehmen. „In der neuen Netzentgeltsystematik drohen Industrieunternehmen somit deutlich höhere Entgelte“, so Belitz. 

Kritisch bewertet der VCI auch die vorgesehenen Übergangsfristen. Die bestehenden Regelungen für Industrienetzentgelte sollen bereits Ende 2031 auslaufen. Für viele Unternehmen reicht dieser Zeitraum nicht aus, um Produktionsprozesse anzupassen und notwendige Investitionen wirtschaftlich umzusetzen. 

„Wettbewerbsfähige Netzentgelte sind eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg des heimischen Industriestandorts“, betont Belitz. 

 

Der VCI ist Europas größter Verband für Chemie, Pharma und Biotechnologie. Mit seinen 22 Fach- und 7 Landesverbänden repräsentiert er die Interessen von rund 2.000 Unternehmen – vom Global Player bis zum hoch spezialisierten Mittelständler. Mit 230 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025 und rund 545.000 Beschäftigten in Deutschland zählt die Branche zu den stärksten Treibern für Innovation, Wohlstand und Zukunft. Für eine starke chemisch-pharmazeutische Industrie von heute und morgen ist der VCI in Deutschland, in Europa und weltweit aktiv.