Chemie-Tarifrunde: Zweite Bundesrunde bleibt ohne Ergebnis

Verhandlungen für 585.000 Beschäftigte werden am 24./25. März in Bad Breisig fortgesetzt

Die Tarifverhandlungen für die chemische und pharmazeutische Industrie sind auch in der zweiten bundesweiten Verhandlungsrunde ohne Ergebnis geblieben. Nach zwei Tagen intensiver Gespräche konnten sich die Arbeitgeberseite (BAVC) und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) nicht auf einen Kompromiss einigen. Die Verhandlungen betreffen rund 1.700 Betriebe mit 585.000 Beschäftigten – darunter auch die Unternehmen der chemischen und pharmazeutischen Industrie in Rheinland-Pfalz.

Wettbewerbsfähigkeit und Kaufkraft im Fokus

Im Mittelpunkt der Gespräche steht die Frage, wie die Branche auf die anhaltend schwierige wirtschaftliche Lage reagieren soll. Die Positionen liegen dabei noch deutlich auseinander.

BAVC-Verhandlungsführer Matthias Bürk betonte, dass sich die Rahmenbedingungen für die Tarifpolitik fundamental verändert hätten: „Anders als über Jahrzehnte gewohnt, gibt es derzeit keine Zuwächse, die wir verteilen können. Im Zentrum der Verhandlungen steht, wie wir die Lasten der Krise fair verteilen." Nach einem Produktionseinbruch von 20 Prozent, historisch schwacher Auslastung und Stellenabbau sei ein „Weiter so" keine Option. Die Unternehmen bräuchten eine tarifpolitische Atempause, um sich neu aufzustellen.

IGBCE-Verhandlungsführer und Tarifvorstand Oliver Heinrich hielt dagegen: „Die Arbeitgeber haben ein Angebot vorgelegt, das noch zu weit von den Sorgen und der Lebensrealität der Beschäftigten entfernt ist." Er verwies darauf, dass die Chemie- und Pharma-Beschäftigten bei der Kaufkraft noch immer fünf Prozent unter dem Niveau von 2018 lägen. In vielen Betrieben – insbesondere im Pharma-Bereich – würden zudem tiefschwarze Zahlen geschrieben und satte Dividenden geplant.

Dritte Runde am 24./25. März in Bad Breisig

Die dritte Verhandlungsrunde ist für den 24. und 25. März im rheinland-pfälzischen Bad Breisig angesetzt. Bis dahin kündigte die IGBCE bundesweite Aktionen in den Betrieben an.

BAVC-Verhandlungsführer Bürk rief beide Seiten zu konstruktiven Gesprächen auf: „Wir müssen weiter verhandeln, um den Graben von beiden Seiten zuzuschütten. Am Ende brauchen wir einen Tarifabschluss, mit dem unsere Branche wettbewerbsfähiger wird."

Die IGBCE fordert in dieser Tarifrunde eine Erhöhung der Einkommen, die die Kaufkraft weiter stärkt, sowie tarifliche Instrumente zur Beschäftigungssicherung. Die Verhandlungen laufen bereits seit Mitte Januar. Nach insgesamt neun ergebnislosen Gesprächen in den Regionen waren sie Anfang Februar auf die Bundesebene gewechselt.