Unsere Trainer im Portrait: Bernd Görner - Wirken mit Persönlichkeit

Bernd Görner war nach seinem Philosophie- und Rhetorik-Studium zunächst als Theaterregisseur und Journalist tätig. Seit über 20 Jahren arbeitet er als Coach und Systemischer Berater im Kommunikationsbereich. Heute stellen wir ihn näher vor.

"Wir wollen andere Menschen als authentisch und auf Augenhöhe erleben."
"Wir wollen andere Menschen als authentisch und auf Augenhöhe erleben." Bernd Görner

Herr Görner, Ihr Seminar „Wirken mit Persönlichkeit“ wird oft unter Kolleg:innen der Mitgliedsunternehmen empfohlen. Was ist Ihr Geheimnis?

Es gibt kein Geheimnis. Ich versuche so gut wie möglich meine Inhalte auch zu verkörpern und meinen Seminarteilnehmenden auf Augenhöhe zu begegnen. Und ich glaube daran, dass man vergnügt besser lernen kann als verknarzt. Es geht bei mir darum, Dinge zu erfahren und nicht nur zu begreifen. Vielleicht spüren die Teilnehmenden auch, dass ich Spaß an meiner Arbeit habe, auch wenn ich über ernste Themen spreche.

 

Viele Teilnehmer kamen mit der Frage: Wie kann ich meine Ausstrahlung verbessern? Was ist denn das – eine gute Ausstrahlung?

Zunächst einmal kann man sagen, dass es - in Anlehnung an Paul Watzlawick - unmöglich ist, nicht auszustrahlen. Wenn wir nun sowieso eine Ausstrahlung haben, dann lohnt es sich, darüber nachzudenken, wie ich die gestalten kann. Oft steht uns eine Angst im Wege, nicht gut anzukommen. Es ist sehr hilfreich, sich darüber Gedanken zu machen, woher diese Angst kommt. Ein Seminarteilnehmer hat es mal in einer Kaffeepause auf den Punkt gebracht, indem er sagte: „Im Grunde geht es ja nur darum zu sagen ‚Ich bin’s!‘“ Nicht mehr und nicht weniger.

Wir wollen andere Menschen als authentisch und auf Augenhöhe erleben. Damit können wir gut umgehen und das nimmt uns die Angst. Und wenn wir es schaffen authentisch zu sein, dann kommt das in allem, was wir sagen und wie wir es sagen, zum Ausdruck.

Dann muss ich mir auch keine Gedanken über meine Körpersprache machen, dass diese vielleicht etwas ‚Falsches‘ zum Ausdruck bringt. Körpersprache kann ich sowieso nicht kontrollieren, weil sie unbewusst entsteht und wahrgenommen wird. Das hätte zwangsläufig zur Folge, dass ich nicht authentisch wirke und bei meinem Gegenüber ein vorsichtiges Misstrauen entstehen lässt.

 

Was wäre denn der erste Schritt, wenn ich meine Wirkung verbessern möchte?

Ein erster Schritt wäre beispielsweise, dass ich mir immer wieder die Zeit nehme, über mich und meinen Blick auf das Leben zu reflektieren. Auf diese Weise kann es mir gelingen, eine innere Haltung zu gewinnen, die es erlaubt entspannt zu sein und auch so zu wirken. Selbstreflektion und Achtsamkeit sind die wichtigsten Werkzeuge, um Veränderungen zu initiieren. Auf diese Weise kann es auch gelingen, eine wertschätzende Haltung zu entwickeln, die es mir ermöglicht, mir selbst meine eigenen Stärken und Schwächen bewusst zu machen. Das nennt man dann Selbstbewusstsein.

„Wer nicht an sich glaubt, dem wird nicht geglaubt.“

Ein Seminarthema war das ständige „Rollen-Switching“ im Berufs- und Privatleben. Was ist das?

Üblicherweise betrachten wir uns ja selbst als kompakte Personen: Ich bin Bernd Görner. Punkt. Aber von guten Schauspielern, die ganz unterschiedliche Rollen glaubhaft verkörpern - nicht spielen! - können wir lernen, dass viele verschiedene Facetten Teil unserer Persönlichkeit sind. Diese Facetten kommen in unterschiedlichen Situationen auch unterschiedlich zum Vorschein.

Wenn ich beispielsweise als Vater agiere, zeige ich andere Eigenschaften, als wenn ich der zuständige Referent in einer Arbeitssituation bin. Beide Rollen sind Teil meiner Persönlichkeit; ich muss mich dabei nicht verstellen.

Wenn ich mir nun klarmache, in welcher Rolle ich in der aktuellen Situation gefragt bin, dann kann ich diese Rolle auch besser ausfüllen und meine Wirkung diesbezüglich auch besser entfalten. Dieser Übergang kann manchmal sehr schnell stattfinden, wenn ich zum Beispiel mit einem Kollegen im Büro sitze, mein Telefon klingelt und der Chef dran ist. Dann bin ich plötzlich nicht mehr Kollege, sondern Mitarbeiter meines Chefs. Wenn ich den Übergang von einer Rolle zu anderen gut schaffe, dann kann ich auch optimal wirken.

 

Viele Teilnehmende kommen ja mit einem Veränderungsanliegen, einen Entwicklungswunsch. Was ist dann Ihr Rat an sie?

Unsicherheit mit ihren Folgen spielt eine sehr große Rolle bei vielen Teilnehmenden. Bei vielen Menschen - ich nehme mich da nicht aus - geht es darum, mehr an sich zu glauben und dem eigenen Erleben und der eigenen Perspektive, mit der wir das Leben sehen, mehr zu vertrauen. Auch in der Gewissheit, dass es im Leben nur wenige Wahrheiten und dagegen viele Perspektiven gibt. Und damit gilt es umzugehen: Der eigenen Perspektive die gleichberechtigte Bedeutung geben, wie ich sie denen meiner Mitmenschen gebe und mich gegebenenfalls synchronisiere. Am Ende wird dies Selbstwertgefühl genannt.


Lektüre für besseres Wirken mit Persönlichkeit 

  • Antje Heimsoeth: Erfolgreich mit Persönlichkeit und Charisma
  • Heinrich Fey: Gelassenheit siegt. Mit Fragen und Vorwürfen gelassen umgehen
  • Peter Kürsteiner/Inga Berkensträter: 100 Tipps & Tricks für Reden, Vorträge und Präsentationen
  • Christian Schmid-Eger, Caroline Krüll: Körpersprache – Das Trainingshandbuch
  • Cornelia Topf: Souverän! Wie Sie stark auftreten...

Das Interview führte Stefanie Lenze. Es erschien im Programmheft des AGV Chemie zum 1. Halbjahr 2022.

Mehr über Bernd Görner ist auf seiner Homepage zu finden.