Wirtschaftslage

Die Stimmung für das Jahr 2022 trübt sich ein

Lieferengpässe, Fachkräftemangel und die stark steigenden Kosten bei Energie und Logistik belasten die Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen Branche. Besonders die Automobilzulieferer leiden zusätzlich unter der Halbleiter-Krise. „Trotz guter Wachstumsraten hat die Branche das Vorkrisenniveau in der Produktion noch nicht erreicht. Gleichzeitig befinden wir uns in einem weitreichenden Strukturwandel, einer Fünffach-Transformation: Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft, EU-Chemikalienpolitik, Digitalisierung und demografischer Wandel“, betont Sabine Nikolaus, Vorsitzende der Chemieverbände Rheinland-Pfalz.

Die chemische Industrie erwirtschaftete in den ersten drei Quartalen dieses Jahres rund 22,7 Milliarden Euro Umsatz. Dies entspricht einem Umsatzplus von 19,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ebenfalls zugelegt haben Produktion (+18,7 %) und Aufträge (+21,8 %). „Die hohen Zuwächse sind zum Teil Nachhol-Effekte. Das Umsatzwachstum der Betriebe ist zudem getrieben durch gestiegene Kosten, die zum Teil an die Kunden weitergegeben werden konnten. Doch auf vielen Kosten bleiben die Unternehmen sitzen und in den Kassen bleibt weniger Geld“, erklärt Nikolaus.

Der Wirtschaftszweig Pharma hat bis September 2021 rund 4 Milliarden Euro erwirtschaftet, was einem Umsatzplus von 61,5 Prozent entspricht. Die Entwicklung ist maßgeblich geprägt durch eine sehr hohe Nachfrage an Impfstoffen. Das Umsatzplus spiegelt nicht ein Wachstum in der gesamten Branche wider. Produktion (6,9%) und Aufträge (11,1%) liegen zwar im Plus, aber im Vorjahreszeitraum kämpften die Pharma-Unternehmen mit Rückgängen in der Produktion (-18%) und Aufträgen (-14%).

Die Konjunktur in der Chemie kühlt sich auch im kommenden Jahr weiter ab. Die Erholung wird gebremst durch Rohstoffmangel sowie steigende Kosten. Hinzu kommen die Ausgaben für die Fünffach-Transformation: In einer Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen der Chemieverbände Rheinland-Pfalz gaben die Unternehmen Belastungen von bis zu 35 Prozent der Gewinne an. Rund vier von zehn Unternehmen rechnen nicht mit einem raschen positiven wirtschaftlichen Effekt dieser Investitionen.

Neue Bundesregierung muss nun liefern

Mit Blick auf den Koalitionsvertrag der Bundesregierung erklärt Nikolaus: „Der Koalitionsvertrag beinhaltet gute Ansätze für unsere Branche: Schnellere Genehmigungsverfahren, weniger Bürokratisierung, Biotechnologie und Wasserstoff als Schlüssel der Transformation sowie chemisches Recycling als Option.“ Erleichtert reagierte Nikolaus, dass Zeitarbeit und Befristung weiterhin möglich sind. Die Vorsitzende der Chemieverbände begrüßte, dass sich die neue Regierung konstruktiv in die Debatte um die EU-Chemikalienstrategie einbringen möchte und die Notwendigkeit einer Risikobewertung für die sichere Verwendung von chemischen Stoffen betont.

Kritik gibt es bei den fehlenden steuerpolitischen Impulsen und der Fortschreibung des Preismoratoriums für Pharma. „Kostenintensive Innovationen, auch in der Biotechnologie, und gleichzeitiger Fokus auf Kosteneinsparungen passen nicht zusammen. Das hilft dem Pharma-Standort nicht“, so Nikolaus.

Quelle: Herbstpressegespräch vom 29.11.2021